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Trockenrasen der Region

Das Untere Saaletal -
Lebensraum für Spezialisten und Hot spot der Biodiversität

Abbildung: Historische Beweidung im Saaletal - Schäfer vor Wettin um 1840- aus Gottlieb & Neumeister (1993): Der Saalkreis.-Fliegenkopf-Verlag

Historische Beweidung

Mit der Entwicklung der Tuchindustrie (steigender Bedarf an Wolle) ab dem 16. und 17. Jahrhundert entstanden ausgedehnte Schaftriften. Gemähte Bestände waren in der Vergangenheit selten, da sie lediglich der Heugewinnung dienten. Hauptnutzungsform war fast überall die Schaf und Ziegenbeweidung. Die steilsten und wenig ertragreichen Hänge wurden in historischer Zeit häufig mit kleinen Ziegenherden in Triftbeweidung bewirtschaftet. Früher war die Ziege als „Kuh des kleinen Mannes“ als das Selbstversorgertier weit verbreitet. Die Ziege, in der Anschaffung viel billiger als die Kuh, brachte trotz des mageren Futters gute Milcherträge.
Die Nacht verbrachten die Tiere im Pferch auf dem Acker. Etwa 70 % des aufgenommenen Stickstoffs wurden damit nachts ausgeschieden. Dieses Weidemanagement ermöglichte eine gezielte Düngung der Äcker durch den abgegebenen Dung der Tiere, mit der Folge, dass die Weideflächen immer mehr an Nährstoffen verarmten. Anschließend stellten sich auch auf eigentlich produktiveren Standorten „magere“ Gräser- und Kräuterfluren ein.
Durch die Beweidung mit Schafen und Ziegen entstanden arten- und blütenreiche Offenlandschaften, die unsere Kulturlandschaft einst prägten. Bedingt durch die speziellen klimatischen Verhältnisse im Mitteldeutschen Trockengebiet finden in den Trockenrasen der Region zahlreiche seltene und gefährdete Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum.

  Trockenrasen sind arten- und blütenreiche Offenlandlebensräume. Nur kleinflächig gedeihen sie auf natürlich waldfreien Extremstandorten. Diese Offenstandorte liegen zumeist exponiert und sind gekennzeichnet durch die Flachgründigkeit und Trockenheit der Böden. Das Nährstoffangebot ist entweder absolut gering oder aufgrund extremer kleinklimatischer Bedingungen in der Verfügbarkeit stark eingeschränkt. Hier wachsen die Arten am „Existenzminimum“ und Gehölze können sich nicht oder nur bedingt durchsetzen, was häufig einen großen Artenreichtum auf kleinster Fläche zur Folge hat.

Extremstandorte


Ihre flächenmäßige Ausdehnung verdanken die Trockenrasen aber der traditionellen Nutzung durch den Menschen, der die Standorte insbesondere mit Schafen und Ziegen beweidete. Das Untere Saalegebiet ist seit der ersten neolithischen Kultur der frühen Ackerbauern und Viehzüchter (Linienbandkeramik) vor ca. 6.500 Jahren dicht besiedelt. Die Schaf- und Ziegenhaltung spielte dabei nachweislich von Beginn und auch fortwährend andauernd eine bedeutende Rolle.

Klima

Hinzu kommt, dass das Untere Saaletal durch seine Lage im Mitteldeutschen Trockengebiet für die Ausbildung artenreicher Trockenrasen natürlicherweise beste Voraussetzungen bietet. Mit Niederschlägen von weniger als 500 mm pro Jahr gehört das Gebiet zu den trockensten Regionen in Deutschland. Bedingt durch diese besonderen klimatischen Verhältnisse in Kombination mit dem häufig kleinräumigen Wechsel spezieller geologischer und geomorphologischer Standortbedingungen sind die Magerrasen im Unteren Saaletal ausgesprochen artenreich. Neben weit verbreiteten mitteleuropäischen Pflanzenarten beherbergen sie subatlantische, submediterrane und subkontinentale Florenelemente. Das Hauptverbreitungsgebiet einer Reihe dieser Arten befindet sich außerhalb von Mitteleuropa. Sie sind hier nur anzutreffen, weil die klimatischen und standörtlichen Verhältnisse der Region denen ihres Hauptverbreitungsgebietes entsprechen.

Viele der typischen Trockenrasenarten weisen spezielle Anpassungen an die extremen Standortbedingungen auf. Einige besitzen Haare auf den Blättern und produzieren weniger oberirdische Biomasse, um besser vor der Sonneneinstrahlung geschützt zu sein und somit die Verdunstung von Wasser möglichst gering zu halten. Außerdem haben viele typische Arten ein tief reichendes Wurzelsystem.

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